
Probleme lösen, bevor sie bei Ihnen ankommen
Was ein IRREG ist und warum Sie meistens nichts davon merken
Von Lars Holling
Ein gestrichener Flug wird selten dadurch besser, dass man am Schalter davon erfährt. In der Luftfahrt heißt dieses Thema IRREG. Hier steht, was dahintersteckt und wie wir damit umgehen, meistens ohne dass Sie etwas davon merken.
Im April 2010 lag Vulkanasche über Europa, und der Luftraum war für alles gesperrt, was ein Düsentriebwerk hat. Millionen Reisende saßen fest, die Hotlines der Fluggesellschaften waren tot, und in den Terminals standen Schlangen, die sich stundenlang nicht bewegten. Einer unserer Kunden stand nicht in dieser Schlange. Wir haben ihn in ein viersitziges Flugzeug mit Kolbenmotor gesetzt und sind selbst geflogen. Er erinnert sich bis heute mit einem Schmunzeln daran.

Was ist eigentlich ein IRREG?
IRREG steht für irregular operations, auf Deutsch Flugunregelmäßigkeit. Gemeint ist jede unvorhergesehene Abweichung Ihres Fluges vom Plan: eine Verspätung, eine Streichung, eine Umleitung. Der Auslöser kann ein Streik der Flugsicherung sein, eine Aschewolke, das Wetter oder ein AOG, also ein Aircraft on Ground, wenn eine Maschine technisch nicht abheben darf.
Die häufigsten Auslöser
- Flugsicherung
- Streik oder Kapazitätsengpass. Ein einzelner überlasteter Sektor verschiebt Startzeiten über halb Europa.
- Wetter
- Nebel, Schnee oder Gewitter am Start-, Ziel- oder Ausweichflughafen. Die Verspätung entsteht oft an einem Ort, den Sie gar nicht anfliegen.
- AOG (Aircraft on Ground)
- Ein technischer Defekt, die Maschine bleibt am Boden. Ob Ersatz kommt, entscheidet sich meist in der ersten Stunde.
- Besatzung
- Die zulässige Dienstzeit läuft ab. Dann darf die Crew nicht mehr fliegen, auch wenn das Flugzeug bereitsteht.
- Rotation
- Der Vorflug kommt zu spät an. Diese eine Verspätung wandert durch den gesamten Flugtag der Maschine.
Fluggesellschaften dokumentieren jede Verzögerung intern mit einem zweistelligen IATA Delay Code, etwa 41 für einen technischen Defekt. Für Sie als Reisenden ändert dieser Code nichts. Für uns ist er ein verlässlicher Hinweis darauf, ob es zwanzig Minuten dauert oder den ganzen Tag.
Ostern, Ende der neunziger Jahre
Zum ersten Mal richtig damit zu tun hatte ich während meiner Ausbildung. Eine Reisegruppe sollte nach Asien, die nationale Fluggesellschaft des Ziellandes streikte, und es war Ostern. Wer schon einmal versucht hat, an Ostern kurzfristig eine ganze Gruppe nach Asien zu bekommen, weiß, wie voll die Flieger zu dieser Zeit sind.
Wir haben uns bei der Airline ein FIM besorgt, ein Flight Interruption Manifest. Das ist die Genehmigung, alle Kunden auf eine andere Fluggesellschaft umzubuchen. Umgebucht und informiert war die Gruppe, bevor der erste Reisende überhaupt zum Flughafen aufgebrochen ist. Alle sind wie geplant geflogen, und das Programm vor Ort, es war eine Studienreise, hat pünktlich begonnen.
Was in den Jahren danach dazukam
In meiner Zeit beim größten Flugscheinhändler der Welt kamen Streiks, Aschewolken und Kriege dazu. Das Muster war jedes Mal dasselbe: Wer früh weiß, was passiert, hat noch Auswahl. Wer es erst am Schalter erfährt, hat nur noch Warteschlange. Auch damals haben wir für unsere Kunden fast immer eine Lösung gefunden, bevor sie abgeflogen sind.
Geht nicht gibt es nicht. Bei Flugunregelmäßigkeiten ist das keine Floskel, sondern die Arbeitsweise.
Lars Holling, Gründer von Fly Unique
Wie wir es sehen, bevor Sie es merken
Unregelmäßigkeiten laufen im Reservierungssystem auf einer sogenannten Queue auf, einer Art Postfach für genau diese Meldungen. Dazu kommen die E-Mail-Benachrichtigungen der Fluggesellschaften. Wir sehen eine Streichung oder eine Verspätung in dem Moment, in dem die Airline sie einstellt, und das ist in aller Regel früher, als eine App den Passagier informiert.

Wird Ihr Anschluss gestrichen, während Sie noch in der Luft sind, haben wir die Information häufig schon, während Sie noch angeschnallt im Sitz sitzen. Im besten Fall steht die neue Verbindung, bevor Sie das Flugzeug verlassen. Sie steigen aus und bekommen von uns nicht die schlechte Nachricht, sondern die Lösung.
Was das für Sie bedeutet
Sie bekommen bei uns keine Hotline, keine Vorgangsnummer und keine Warteschleife. Sie bekommen eine Nummer, unter der jemand abhebt, der Ihre Buchung kennt. Wir werden tätig, bevor Sie fragen müssen, und wenn es doch einmal eng wird, sagen wir Ihnen ehrlich, was geht und was nicht.

Und zur Not gibt es ja auch noch kleine Flugzeuge.
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